Oberdrauburger Goldhaubenfrauen
 
 

gegründet: 1965

Gründungsobfrau:
Dora Mörtl

Obfrauen:
1965-1988 Dora Mörtl
1988-1995 Christine Rauter
1995-1999 Monika Moser
1999-1914 Karla Oberlerchner
Seit 1914 Ursula Raff

 
hom  mail  drucken     
 

Obfrau
Ursula Raff

 
   

Gründungsgeschichte: Fotos zeigen bereits am Beginn des 20. Jahrhunderts die rege Teilnahme von Oberdrauburger Bürgerfrauen am gesellschaftlichen Leben des Marktes. Vorerst waren die Goldhauben- bzw. Bürgerfrauen nicht vereinsmäßig erfasste Trachtenträgerinnen, welche an den hohen kirchlichen Festen, bei Hochzeiten, Denkmaleinweihungen, Sänger- und Musikertreffen und Besuchen hoher Persönlichkeiten in Erscheinung traten.

1965 kam es unter der ersten Obfrau Dora Mörtl zur Gründung der heutigen Goldhaubengruppe Oberdrauburg. Zwei der damaligen Gründungsmitglieder – Frau Ernst (als Ehrenmitglied) und Frau Wildpanner – sind noch heute voll in das Gruppenleben eingebunden.

Soziales, kulturelles und gesellschaftliches Wirken: Als eher kleine Gruppe mit vierzehn Mitgliedern erweist sich diese als voll integriert im Leben der Marktgemeinde Oberdrauburg. Das soziale Wirken erstreckt sich auf den Gemeindebereich, wo vor allem bei akuten Notfällen rasch helfend eingesprungen wird. Seit rund zehn Jahren wird alljährlich am Beginn der Adventzeit fleißig gebacken. Keksteller und Kletzenbrot werden vorbereitet, um an die älteren Frauen im Markt verteilt zu werden. Durch diese persönlichen Adventbesuche kommt der individuelle Charakter dieser Hilfestellung besonders gut zum Ausdruck. Nicht nur finanzielle oder materielle Hilfeleistung wird geboten, vielen der Beteilten erscheint wohl die persönliche Zuwendung durch Besuche und Gespräche als weit wichtiger.

Das Budget für diese Hilfestellungen kommt aus den Mitgliedsbeiträgen und aus den Einnahmen des Standes am alljährlichen Nudelfest. Dies bedarf einiger Vorbereitung. Selbst gemachte Bäckereien und Kaffee werden von den Damen verkauft und finden wegen der anerkannt guten Qualität besten Absatz. Immer wieder werden Zeichen gesetzt, so zum Beispiel durch die traditionelle Kräuterweihe am 15. August, wenn von den Frauen der Gruppe rund 300 Kräutersträußchen gebunden werden. Diese werden beim Hochamt in der Pfarrkirche feierlich geweiht und danach an Einheimische und Gäste verschenkt. Selbst aus der Partnerstadt Signa bei Florenz kommen an diesem Tag Besucher, um einen der begehrten Sträuße zu erlangen. Beim Oberdrauburger Kirchtag, der gemeinsam mit der Trachtenkapelle veranstaltet wird, werden kleine geweihte Brote verteilt.

Weltliche und kirchliche Feste im Markt Oberdrauburg sind immer wieder Anlass, um in der Bürgerinnentracht aufzutreten und den Feierlichkeiten ein würdiges Gepräge zu geben. Die Teilnahme an den Jubiläumsfeiern zum 10. Oktober 1920 ist seit jeher (und war es schon vor der Gruppengründung) Tradition. Besuche bei anderen Gruppen und die Teilnahme am jährlichen Treffen der Städtischen Bürger- und Goldhaubenfrauen Kärntens sind gute Gelegenheiten, um gemeinsam in Tracht aufzutreten. Am letzten Wochenende im August gibt es alljährlich die Oberdrauburger Wallfahrt, die auf ein Gelöbnis der Oberdrauburger Bürger zurückgeht. Am 19. September 1747 wütete ein verheerender Brand in Oberdrauburg, und da jede menschliche Hilfe vergebens schien, wandten sich die Bürger im Gebet an die Gottesmutter Maria und gelobten bei Abwendung der Feuersgefahr alljährlich eine Wallfahrt nach Maria Luggau abzuhalten. Diese führt als Fußmarsch nach Maria Luggau, wo sie in einem feierlichen Hochamt ihren Höhepunkt findet. Anlässlich der 250. Wiederkehr im Jahr 1997 zogen die Goldhaubenfrauen im vollen Ornat gemeinsam mit den Pilgern in die Basilika von Maria Luggau ein. Auch intern kommt das Vereinsleben nicht zu kurz. Monatliche Treffen, die Jahreshauptversammlung im März und die alljährliche Weihnachtsfeier bringen die Gruppe zusammen und festigen das Miteinander im Verein. Gemeinsame Ausflüge führen zu kulturell und historisch bedeutenden Stätten und beleben so das Vereinsgeschehen.

Persönlicher Einsatz und stete Präsenz sind die Merkmale dieser kleinen Gruppe, die durch ihr Wirken und Auftreten zu einem festen Bestandteil des bürgerlichen Lebens der Marktgemeinde Oberdrauburg geworden ist. Ein sichtbarer Beweis dafür ist das Recht zur Führung des Marktwappens, das im Jahr 1999 den Goldhaubenfrauen verliehen wurde.

Kleid: Das einteilige Bürgerinnenkleid wird aus einem einfärbigen in sich gemusterten Seidenstoff und in gedeckten Farben genäht. Die Farbauswahl ist jeder Trägerin selbst überlassen.

Das Oberteil ist tailliert mit einem Schößchenabschluss. Das hochgeschlossene Kleid hat einen abnehmbaren weißen Baumwollkragen, auf dem eine zarte weiße Spitze aufgenäht ist. Der Verschluss in der vorderen Mitte besteht aus Hafteln. Eine Rüschenbordüre ziert im Rundbogen, im oberen Drittel, den Vorder- und den Rückenteil. Die Ärmel sind dreiviertellang und beginnen in der Kugel mit einem glatten Sattel. Anschließend werden die in Falten gelegten Ärmel angesetzt, welche die Weite nach unten hin behalten und mit einer Rüschenbordüre abschließen. Eine weitere Rüschenbordüre verläuft von der Schulter beginnend entlang des Oberarmes bis zur Ärmellänge. Als Besonderheit werden weiße Baumwollärmel mit Gummizug, knapp über dem Ellenbogen, darunter angezogen. Diese Ärmelenden schließen – wie beim Kragen – mit einer Manschette mit zweireihig aufgenähten Spitzen.

Der Rock ist in Falten gelegt, an das Oberteil festgenäht und schließt mit einer Beserlborte in der Länge. Das gesamte Kleid ist gefüttert, und darunter wird ein weißer Spitzenunterrock getragen.

Zubehör: Weiße glatte Strümpfe mit einfachen schwarzen Schuhen und weiße offene Spitzenhandschuhe (Halbhandschuhe) gehören zur Tracht, ebenso ein Pompadour oder Beutel, der aus Kleiderseide besteht und aus dem ein weißes Spitzentüchlein herausragt. Der schwarze Rüschenschirm ist einheitlich, und als Kälteschutz dient ein aus schwarzer Wolle gehäkeltes Schultertuch.

Eine Goldkette, gediegener Ohrschmuck sowie eine Goldbrosche zieren das hochgeschlossene Kleid. Ansteckblumen in den Oberdrauburger Farben (gelb, rot) werten die Tracht noch weiter auf.

Haube: Die Oberdrauburger Bürgerfrau trägt die Goldhaube, die sowohl mit schwarzer wie auch mit weißer Masche getragen werden kann.

Text aus: Joachim und Marlies Eichert, Kärntner Bürgerfrauen, Tradition mit neuen Aufgaben, Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2007

 
 
  
 
Landesverband der Städtischen Bürger- und Goldhaubenfrauen Kärntens